Die Grünlandtemperatursumme - wann startet die Saison

Jedes Jahr stellt sich aufs Neue die Frage, wann es mit der Arbeit an den Bienenvölkern richtig losgeht. Die Grünlandtemperatursumme (GTS) ist eine Zahl aus der Landwirtschaft und hilft Landwirten, um den ersten Schnitt oder die erste Düngung zu planen. Ich nutze sie, um die ersten Plegemaßnahmen für meine Völker terminlich zu planen.

Die Berechnung ist einfach: Man addiert ab dem 1. Jänner alle positiven Tagesmitteltemperaturen, wobei der Jänner mit dem Faktor 0.5 korrigiert wird, der Februar mit 0.75 . Ab März werden die Tagesmitteltemperaturen voll gezählt wird. Erreicht die Summe 200 Gradtagen, so spricht man von einem nachhaltigen Vegetationsbeginn. In der Landwirtschaft gilt, dass Düngemittel, die vor Erreichen dieses Wertes ausgebracht werden, von den Pflanzen nicht aufgenommen werden können.

Und bei den Bienen? Die Bienen richten sich nach der Entwicklung der Vegetation - es ist daher naheliegend, auch hier mit der GTS zu arbeiten. Die Königin beginnt ihre Legetätigkeit nach der Winterpause oft schon, bevor ich in meinem Grätzel irgendetwas blühen sehe. Denn: die Entwicklung einer Arbeiterin vom Ei bis zum Schlüpfen der Imago dauert 21 Tage. Ist die Biene geschlüpft, nimmt sie in den ersten drei Wochen verschiedene Aufgaben im Stock wahr - Putzbiene, Ammenbiene, Baubiene, Wächterbiene - und erst nach 3 Wochen wird sie eine Sammelbiene. Das sind insgesamt 6 Wochen vom Ei bis zur Nektar- und Pollenlieferantin.

Gleichzeitig beginnen die alten Winterbienen zu sterben. Zwischen Ende Februar und April bzw. Mai werden sie komplett durch eine neue junge Sommerbienengeneration ersetzt. Wir Imker nennen das “Durchlenzung” und es ist der kritischste Zeitraum im Jahr: Ist genug Futter aus der letzten Saison in den Waben gespeichert? Gerade Anfang Frühling, wenn die Vorräte zur Neige gehen, aber draußen noch nicht viel Nektar zu holen ist, kann es eng werden. Fährt das Volk zu früh den Motor hoch, gibt es auf einmal zu viele hungrige Mäuler zu stopfen. Umgekehrt, verschläft ein Volk den Frühlingsbeginn, hinkt es auch in den nächsten Monaten hinterher.

Als Imker kann ich den Bienen zumindest bei einer Sache helfen: den Vorräten. Wenn ich sehe, dass diese knapp werden - sei es bei einer Durchsicht, oder auch ohne das Volk zu öffnen mit einer Stockwaage - so kann ich sie mit Futterteig unterstützen. Die spannende Kennzahl hier ist die GTS 200: hier öffne ich im Rahmen der Frühjahrsrevision das Volk, ohne es über die Maßen zu stressen.

Das Schöne an der GTS ist, dass sie ein bisschen objektiver ist, als man selbst. Ein sonniger Tag mit 12 Grad fühlt sich nach Frühling an, sagt aber wenig über den tatsächlichen Stand aus. Die GTS dagegen integriert über Wochen und gleicht kurze Wärme- und Kälteeinbrüche wieder aus. Sie ist damit ein einfaches, aber gut anwendbares Modell.

Neben der GTS 200 ist noch ein anderer Wert für mich wichtig: Für eine GTS von etwa 400 steht einer der schönsten Moment im Jahresablauf an - das Aufsetzen der Honigräume.

Online zu empfehlen: Der GTS-Monitor des oberösterreichischen Landesverbands für Bienenzucht ist eine sehr gelungene Website und ein praktischer Helfer für mich.