Es war der Beginn meiner Imkerlaufbahn: Wie von der Junkimkerförderung vorgesehen, bestellte ich fünf Kehrschwärme mit je einer Reinzuchtkönigin. Aber dann kam das logistische Thema.
Es war Anfang Juli, als ich meine ersten Bienen bekommen sollte. Die Beuten standen bereit, ich musste nur noch fünf Kehrschwärme mit Reinzuchtköniginnen aus Gerasdorf bei Wien abholen. Ich dachte, ich hätte an alles gedacht: Den Bienen sollte während der Fahrt nicht zu warm werden, daher optierte ich für ein Fahrzeug mit Klimaanlage. Die Klimaanlage meines Autos war Mal wieder etwas dysfunktional und so borgte ich mir die Edel-Karosse meines Bruders aus. Damit sollte ein kühler Transport ohne Probleme gelingen und die Bienen nicht “verbrausen”.
Das werkseitig eingebaute Navi war - wie zu erwarten - unbrauchbar. Aber mit Handynavigation klappte es recht gut, um zu jenem Imkermeister zu finden, der mir die Startpakete für meine ersten fünf Völker zusammenstellte. Dort konnte ich in fünf orangenen Multiboxen jeweils einen Kehrschwarm mit Reinzuchtkönigin in Empfang nehmen. Die Mitarbeiterin vor Ort sprühte noch etwas Wasser auf und in die Boxen, um die Bienen zu kühlen und ruhig zu stimmen, ab da war es mein Problem.

Ca. 100.000 Bienen wanderten in den Kofferraum. Und sie summten. Während ich also so dem Navi folgte, um den Weg nach Wien zurück zu finden, schossen mir jede Menge Gedanken durch den Kopf: War es die beste Idee, einen geschlossenen PKW für diese Fahrt zu nehmen? Von den Pickup-Fahrern im Imkerverein gabs ja im Vorfeld einen hilfreichen Tip: „einfach die Boxen auf die Ladefläche geben. Ich würde sie mir nicht in den Innenraum geben.“ Aja.
Die Bienen wurden zwischenzeitlich lauter, kam mir vor. Sollte ich Musik aufdrehen umd sie zu beruhigen? Vielleicht Mozart? Oder regt sie das vielleicht auf? Das wäre dann eher schlecht. Zu dumm, ich hätte das vielleicht vorher googeln sollen … wie weit ist es noch? Ah, nur noch 20 Minuten.
Was passiert eigentlich, wenn mir jemand von hinten in das Auto knallt? Halten die Multiboxen stand, oder stürzen sich 100.000 Bienen auf alles, was sich nicht verstecken kann? Sorgenvoll lenkte ich den Wagen bis nach Hause. Es ging alles gut, meine Frau nahm mich in der Garage in Empfang. Als wir die Boxen ausluden, machte sie gleich ein Video für ihre Freundinnen. Das Summen war auch auf dem Video sehr gut zu hören. Binnen Minuten kamen die Rückmeldungen, die durchwegs meinen Geisteszustand in Frage stellten. Warum ich so etwas Verrücktes tue, wie Bienen halten zu wollen. Und dann auch noch mit ihnen Auto fahre.
Die Bienen kamen - streng nach Lehrbuch - in den Keller in die sogenannte Dunkelhaft. Diese dauert je nach Quelle 1 bis 3 Tage und dient dazu, Kehrschwarm und Königin zu einem Volk verschmelzen zu lassen. Nach der Dunkelhaft war es Zeit, die Bienen einzuschlagen. Sofort freundeten sie sich mit ihren neuen Behausungen an und begannen umgehend die Waben auszubauen. So soll es sein.
Zeit zum Putzen: Sowohl im Wagen, als auch im Kellerregal, als auch in der Wohnung, wohin ich die leeren Multiboxen zur Reinigung brachte - überall, wo die Multiboxen standen, war es schmutzig. Denn: in der Multibox ist eine Fütterungseinrichtung mit Zuckersirup. Etwas davon geht immer daneben - nach unten. Und: die Bienen produzieren Wachs - und das bröselt auch nach unten. Und dann wären da noch allerhand andere, klebrige Brösel. Alles fällt nach unten und durch den Gitterboden der Multibox. Die Lehre: immer etwas Wasserfestes unterlegen, wenn man Bienen transportiert - das gilt im Übrigen auch für den Transport von Völkern in der Beute - sonst putzt man hinterher.